Von der Kladodie bis zur Frucht und den Kernen, aus denen ein kostbares Öl gewonnen wird: Jeder Teil der Kaktusfeige hat seinen Platz, in der Küche und darüber hinaus. Von Mexiko bis Äthiopien, über Sizilien und Marokko, ernährt diese Pflanze die Menschen vor Ort seit Jahrhunderten.

Nopalitos (junge Kladodien) sind kalorienarm und liefern Ballaststoffe: etwa 2 g pro 100 g rohe Nopales, laut der Nährwertdatenbank des USDA.

In Mexiko: Nopalitos, eine Säule der traditionellen Küche

In Mexiko sind die Kladodien des Kaktus, die „Nopales“ oder – jung und zart – „Nopalitos“ genannt werden, fester Bestandteil der Alltagsküche. Man brät sie mit Zwiebeln und Knoblauch in der Pfanne, serviert sie als Salat (ensalada de nopales) oder gibt sie in Suppen und Eintöpfe.

Die Früchte, „Tunas“ genannt, werden in der Saison frisch gegessen. Ihr süßes Fruchtfleisch landet auch in Säften, Smoothies und Desserts. Die vielen kleinen Kerne isst man mit oder spuckt sie aus – ganz nach Gewohnheit.

Sizilien: „fico d'India“, verwandelt in Köstlichkeiten

In Sizilien ist die „fico d'India“ (wörtlich „indische Feige“) eine typische Zutat der lokalen Küche. Die Frucht wird zunächst Ende des Sommers frisch genossen, oft einfach halbiert. Doch dabei belassen es die Sizilianer nicht.

Man macht daraus Granita, die im Sommer wie andere sizilianische Granite genossen wird, manchmal mit einer Brioche. Eisdielen stellen daraus auch Eis mit feinem Geschmack her, und vor Ort wird ein Kaktusfeigenlikör produziert.

Marokko: Eine Frucht der Straßen und Traditionen

In Marokko ist die Kaktusfeige allgegenwärtig. Im Sommer bieten Straßenhändler frische Früchte an, geschält und verzehrfertig. Eine beliebte, erschwingliche Frucht, mit der sich Einheimische wie Touristen erfrischen.

Über die frische Frucht hinaus ist Kaktusfeigenkernöl zu einer wirtschaftlichen Ressource für marokkanische Frauenkooperativen geworden. Dieses seltene, kostbare Öl wird heute mit Schönheit und Luxus verbunden.

Tunesien und Algerien: lokale Sorten und familiäre Bräuche

In Tunesien und Algerien trägt die Kaktusfeige je nach Region verschiedene Namen, etwa „Karmous“ oder „Hendi“. Die Frucht wird vor allem frisch in der Saison gegessen.

Die Kladodien dienen außerdem als Viehfutter, vor allem in Trockenzeiten.

Äthiopien: die Frucht des semiariden Klimas

In Äthiopien, vor allem in der Region Tigray, ist die Kaktusfeige, dort „Beles“ genannt, das wichtigste frische Obst der Sommersaison. Ihre Früchte ernähren die Familien, ihre Kladodien dienen als Viehfutter.

In der Region „Brücke des Lebens“ genannt, versorgt diese Pflanze, die große Mengen Wasser speichert, die ländlichen Gemeinschaften in schwierigen Zeiten mit Nahrung und Ernährungssicherheit.

Ihre Namen rund um die Welt

Die Vielfalt ihrer Namen spiegelt ihre weltweite Verbreitung wider: Nopal (die Pflanze) und Tuna (die Frucht) in Mexiko, fico d'India in Italien, Karmous oder Hendi im Maghreb, Beles in Äthiopien, prickly pear im Englischen, figue de barbarie im Französischen und Kaktusfeige im Deutschen.

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Quellen: Brutsch M. O., „The Beles or Cactus Pear (Opuntia ficus-indica) in Tigray, Ethiopia“, Journal of the Professional Association for Cactus Development; USDA FoodData Central, „Nopales, raw“; Prelude (Ethnopharmacologia), Datenblatt Opuntia ficus-indica.